Kann man Dehnungs­streifen (Striae) loswerden?

Niemand leidet gerne unter Dehnungsstreifen, aber viele von uns sind betroffen. Sind diese feinen, linienartigen Narben erst einmal in Erscheinung getreten, fängt die langwierige und mühsame Suche nach einem passenden Produkt an, um diese unbeliebten Streifen wieder verschwinden zu lassen. Da so viele von uns betroffen sind, gibt es eine Unmenge an Produkten auf dem Markt, und diese versprechen leider häufig mehr, als sie halten können.

Was ist Striae?

Striae ist eines der lästigsten Hautprobleme, mit denen wir zu kämpfen haben. Die meisten Menschen haben irgendwann in ihrem Leben mit diesem unliebsamen Thema zu tun. Es überrascht durchaus, dass nach Schätzungen 90% der Frauen in den Vereinigten Staaten, die schwanger sind (waren), 70% der Frauen im Teenageralter und 40% der Männer im Teenageralter unter Striae leiden. Die Symptome scheinen auch ganz unabhängig von der Herkunft zu sein; es kann tatsächlich jeden treffen. Da dieses Problem sehr häufig auftritt, ist die Nachfrage nach wirksamen Produkten gegen Dehnungsstreifen entsprechend hoch. Aber was hilft wirklich?

Striae entsteht typischerweise durch eine langanhaltende Dehnung der Haut wie z.B. bei einer Schwangerschaft, bei extremer Gewichtszunahme oder zu schnellem Wachstum während der Pubertät. Striae äußert sich durch leicht rötliche Streifen unter der Hautoberfläche. Durch die extreme Dehnung entstehen Risse in der stützenden Kollagen- und Elastinstruktur der Haut. Die sichtbaren Streifen sind also tatsächlich die sichtbaren Risse der elastischen Fasern in der Haut (Elastin wirkt als Art Gummiband in der Haut, die für die Elastizität der Haut sorgen und nach einer Dehnung normalerweise wieder in ihre Ursprungsform zurückkehren).

Im Gegensatz zu einer „normalen” Narbe, die durch eine äußere Verletzung der Haut entsteht, ist Striae eine Verwundung bzw. Vernarbung im Inneren des Gewebes und liegt unter der Hautoberfläche. Leider sind die Anzeichen von Striae sehr schwer zu behandeln, da es keine kosmetischen Behandlungen oder Produkte gibt, die Striae wirklich verschwinden bzw. besser aussehen lassen.

Helfen Vitamin E, Kakaobutter oder spezielle Cremes gegen Striae?

Die Anwendung von Produkten wie Pflanzenöl, Kakaobutter, Mederma oder anderen Pflegeprodukten, die Abhilfe oder Verbesserung bei Dehnungsstreifen versprechen, macht leider wenig Sinn und ist oft nicht wirksamer als einfache Vaseline. Es gibt keinerlei wissenschaftliche Untersuchungen, die beweisen, dass eines dieser Produkte Dehnungsstreifen verbessern bzw. verschwinden lassen kann.

Die Massage der betroffenen Stellen mit einer weichmachenden und beruhigenden Creme mag sich vielleicht für den Moment gut anfühlen, aber der gewünschte Effekt bleibt leider aus, da der Schaden ja nicht in der Hautoberfläche liegt, sondern in der darunterliegenden Hautschicht. Diese Verletzungen tief in der Haut können so massiv sein, dass die stützende Struktur der Haut zerstört ist und ein solcher Schaden kann einfach nicht durch eine oberflächliche Behandlung mit Produkten wie Cremes oder Ölen wiederhergestellt werden.

Diese Information, wie wir sie hier beschreiben, gilt ebenso für andere Produkte, die oberflächlich anzuwenden sind. Striae entsteht im Inneren der Haut und kann mit keinem Produkt, das auf der Oberfläche angewendet wird, verhindert oder verbessert werden. Frauen, die behaupten, sie hätten bestimmte Cremes oder andere Produkte während der Schwangerschaft angewendet und deswegen keine Schwangerschaftsstreifen bekommen, hätten diese wahrscheinlich auch ohne die Anwendung dieser Cremes nicht bekommen. Es ist frustrierend, aber leider gibt es überhaupt keine Studien, die beweisen, dass es wirklich wirksame Produkte auf dem Markt gibt. Wenn Sie für sich selbst entscheiden die Produkte trotzdem zu kaufen, dann kann es auf keinen Fall schaden. Erwarten Sie aber keine Wunder. Manche Menschen neigen zu Dehnungsstreifen und andere nicht.

Massage des Bindegewebes

Behauptungen, dass Massagetherapien gegen Dehnungsstreifen helfen, kommen meist von denjenigen, die diese Massagen anbieten. Leider gibt es keine Massage, die diese lästigen Streifen verschwinden lassen kann. Da es sich um kleine irreparable Verletzungen im Inneren der Haut handelt, ist es nicht möglich, diese einfach weg zu massieren. Es gibt keinerlei Untersuchungen, die beweisen, dass eine Massagetherapie sich positiv auf Striae auswirkt. Wird bei einer solchen Massage zu viel Druck auf die betroffenen Hautstellen ausgeübt, kann es bei einer Schwangerschaft sogar gefährlich werden. Sollten Sie während einer Schwangerschaft über eine solche Massage nachdenken, dann fragen Sie vorher einen Arzt, der Sie zu diesem Thema gut beraten kann.

Hilft ein Dermaroller?

Ein Dermaroller ist ein Gerät, das auf den ersten Blick harmlos aussieht. Bei näherer Betrachtung erst sieht man die kleinen Nadeln, die auf der Walze angebracht sind. Diese stechen bei der Anwendung auf der Haut winzige Löcher in die Haut. Eine kontrollierte Verletzung der Hautoberfläche und der daraus resultierende Heilungsprozess der Haut sollen vergleichbar sein mit einer dermatologischen Behandlung (z.B. einer Laserbehandlung), die bei kleineren Verletzungen die Kollagenproduktion stimulieren soll.

Es gibt leider keine Untersuchungen, die beweisen, dass die Behandlung mit einem Dermaroller die Symptome verbessern kann bzw. dass diese Behandlung den Ergebnissen einer Laserbehandlung nahekommt. Es ist schwierig, wenn nicht sogar unmöglich, um die Produktion von körpereigenen Elastin anzuregen, das Striae besser aussehen lässt. Nur die neue Produktion von Kollagen alleine vermindert die Sichtbarkeit von Dehnungsstreifen leider nicht. Das Risiko, dass man mit Geräten dieser Art bei zu intensiver Anwendung bleibende Schäden verursacht ist sehr groß. Der Hype um diese Geräte ist also mit großer Vorsicht zu genießen.

Hilft Microdermabrasion?

Es gibt eine einzige Studie, die beweisen soll, dass Microdermabrasion bei Striae helfen soll. Aber freuen Sie sich nicht zu früh: Die Auswertung der Untersuchungsergebnisse hat leider ein paar heikle Punkte der Studie zum Vorschein gebracht.

  • Die Intensität bei der getesteten Behandlung war ausgesprochen hoch. So wurden wöchentlich 5 Microdermabrasion-Behandlungen über eine Dauer von 12 Wochen durchgeführt.
  • Es wurden keine genauen Parameter festgelegt, die die Verbesserung beschreiben können und so passende Vergleichsergebnisse liefern konnten. Die Ergebnisse der Studie haben nur gezeigt, dass die Intensität der rot-violetten Färbung der Streifen (striae rubra) abgenommen hatte. Aber genau das passiert auch ohne Behandlung im Laufe der Zeit und es bleiben weiße linienartige Narben sichtbar.

Wir müssen allerdings dazu sagen, dass diejenigen, die schon längere Zeit mit Striae zu kämpfen hatten, nach einer solchen Behandlung von Verbesserungen sprechen konnten. Die Frage ist, ob Sie zu der Gruppe gehören, die sich einer solch intensiven Behandlung unterziehen möchte, ohne die nötige Sicherheit zu haben, dass dieser Eingriff auch wirklich ein zufriedenstellendes Ergebnis liefert (und ob Sie überhaupt rot-violette Streifen auf der Haut haben).

Verschreibungspflichtige Produkte und Behandlungen, die helfen können

Wir möchten uns natürlich auch den Möglichkeiten und Behandlungen widmen, die vielleicht doch helfen könnten, Schwangerschafts- bzw. Dehnungsstreifen zu vermindern. Wie bereits erwähnt, gibt es keine kosmetischen Inhaltsstoffe bzw. Hautpflegeprodukte, die diese unliebsamen Streifen in der Haut verschwinden lassen können. Kosmetische Inhaltsstoffe sind nicht in der Lage, die sichtbaren Erscheinungen in der Unterhaut wiederherzustellen bzw. die Haut wieder zu glätten und die zerstörte Elastinstruktur wiederaufzubauen. Es gibt aber einige Alternativen, die zu einer Verbesserung führen können.

  • Verschreibungspflichtige Retinoide: In der pharmazeutischen Industrie gibt es Untersuchungen, die zeigen, dass verschreibungspflichtige Retinoide einen positiven Effekt auf Striae haben können. Bei etwa 20% wurden mit Retinoiden Verbesserungen festgestellt. Nicht unbedingt ein sensationelles Ergebnis, aber für manche gut genug, diese Behandlung trotzdem in Betracht zu ziehen. Das Dilemma für schwangere Frauen hierbei ist, dass Produkte mit Retinol während Schwangerschaft und Stillphase nicht angewendet werden dürfen.
  • Laserbehandlungen: Es gibt Studien, die zeigen, dass Behandlungen mit Laser- oder Blitzlampensystemen wie IPL (Intense Pulsed Light) oder PDL (Pulsed Dye Laser) mit 585 Nanometer (nm) Licht erfolgreich gegen Striae angewendet wurden. Nach 5 Laserbehandlungen konnten nachweislich positive Ergebnisse erzielt werden und die mikroskopische Analyse hat Verbesserungen gezeigt, was die Länge, Tiefe und Farbe der geschädigten Stellen betrifft. Untersuchungen haben Verbesserungen gezeigt bei 1.064 Nanometer Nd: YAG nach etwa 3 – 4 Behandlungen.
  • Peeling: Außer einer nicht-ablativen Laserbehandlung können Sie auch eine Behandlung mit chemischen Peelings in Betracht ziehen. TCA-Peelings (Chemische Peelings mit Trichloressigsäure-Lösung) können sich positiv auf das Erscheinungsbild von Dehnungsstreifen auswirken. Wichtig ist dabei allerdings, dass das Peeling in der richtigen Konzentration (20%) aufgebracht wird und dies durch einen Dermatologen oder kosmetischen Chirurgen erfolgt, der Erfahrung mit dieser Art der Behandlung hat. TCA-Peelings werden als Oberflächenpeelings bzw. mittlere Peelings eingestuft und wirken wesentlich tiefer in der Hautoberfläche, als AHA- oder BHA-Peelings. So ist es wahrscheinlicher, dass solche Peelings auch in der Lage sind, die Produktion von Kollagen bzw. Elastin anzuregen und so den Schaden, der tief in der Haut liegt, zu verbessern.

Fazit

Folgen Sie nicht dem Hype, bei dem Cremes, die gegen Striae helfen sollen, beworben werden. Die lokale äußere Anwendung der Haut mit diesen Produkten ist nicht in der Lage, die Schäden im Hautinneren zu reparieren und die beschädigte Elastinstruktur wiederherzustellen. Auch präventive Maßnahmen wie Massagen oder Dermaroller bringen leider keinen nachgewiesenen Erfolg. Es gibt verschreibungspflichtige Retinoide, die einen zwar geringen, aber messbar positiven Effekt auf Striae haben können. Bleiben Sie aber realistisch und erwarten Sie nicht zu viel.

Es gibt auch medizinische Behandlungen wie TCA-Peelings oder Laser-Behandlungen, die Striae besser aussehen lassen. Aber auch hier gilt: Hegen Sie bitte keine zu großen Erwartungen an die Ergebnisse einer solchen Behandlung.

Quellen: Burns, 17 September 2009; Aesthetic and Plastic Surgery, Januar 2008, Seiten 82-92; and Clinical Experimental Dermatology, August 2009, Seiten 688-693; Dermatological Surgery, August 2009, Seiten 215-210; Dermatologic Clinics, Januar 2002, Seiten 55–65.

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